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Restauration, Überarbeitung und Neuabstimmung einer Arcus TL-1000 (MK1)
Stand August 2026
Die Arcus TL-1000 (MK1) war das größte und teuerste Lautsprechermodell aus der Arcus TL-Serie das Ende der 1970er bis Anfang der 1980er-Jahren produziert wurde. Bestückt war die TL-1000 mit Chassis von Dalesford, Seas und Philips-Valvo sowie japanischen Magnetostaten. Neben der Bestückung für die Frontabstrahlung war dieses Modell mit weiteren Hoch- und Superhochtöner zur seitlichen und rückwärtigen Abstrahlung versehen. Hinzu kam wie bei allen Boxen der TL-Serie ein aufwendiger Gehäuseaufbau mit einer Transmission-Line, was auch in der Preisklasse der TL-1000 ein ungewöhnliches, weil kostenintesives Merkmal darstellt. All dies sind grundsätzlich gute Voraussetzungen für eine gute Box.
In weiteren Beiträgen werden die Revisionen der kleineren Schwester-Modelle, der 5-Wege Arcus TL-500 und der 4-Wege Arcus TL-180 beschrieben.
Die mir zur Revision überlassenen Exemplare der TL-1000 hatten schon einiges über sich ergehen lassen müssen. Die Boxen, die Chassis und Weichen waren in einem desolaten Zustand.
Trotz alle dem war der erste Klangeindruck der Arcus TL-1000 nicht ganz so schlimm, wie es der optische Zustand befürchten ließ. Bei genauerem Hören fielen dann aber doch sehr schnell die Schwächen und Fehler auf. Beide Boxen klangen zudem recht unterschiedlich.
Die Basswiedergabe war sehr unpräzise und aufgebläht, die Mitteltonwiedergabe stark "unterbelichtet" und die Präsenz und Hochtonwiedergabe wirkte matt und belegt.
Als erstes war eine gründliche Bestandsaufnahme und Zustandsbegutachtung einschließlich umfänglicher Chassisprüfungen vorzunehmen.
Bestückung der Arcus TL-1000
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Als Subwoofer und Tieftöner sind in der Arcus TL-1000 original Chassis von Dalesford verbaut.
Dalesford Speakers Limited (später Dalesford Loudspeakers Ltd.) produizierte in den 1970er und frühen 1980er Jahren in England Lautsprecher-Chassis vorwiegend für den OEM-Markt. 1983 ging das Unternehmen in die Insolvenz.
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30-Zentimeter Dalesford D-300 12" Subwoofer
Datenblatt
als Ersatzchassis Dayton DS-315 Datenblatt
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27-Zentimeter Dalesford D-100/250 10" Tieftöner
Datenblatt
als Ersatzchassis Dayton DS-270 Datenblatt
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Als Mitteltöner ist original ein Chassis von Philips/Valvo verbaut.
- Philips/Valvo AD4062-8 Mitteltöner
Datenblatt
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als Ersatzchassis Monacor MSH-116-4
Datenblatt
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Als Hochtöner sind original Chassis von Seas verbaut.
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Seas H174 Hochtöner
Datenblatt (baugl. Seas H107 mit runder Frontplatte)
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als Ersatzchassis Vifa D27TG17
Datenblatt
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oder Vifa D27TG35 Gewebekalottenhochtöner (altes Modell!)
Datenblatt
Alle in den Boxen der TL-Serie verwendete Kalotten-Hochtöner weisen gekürzte Frontplatten auf.
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Als Superhochtöner sind original Chassis von Fostex verbaut.
- Fostex E110T08 Magnetostaten
Datenblatt
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als Ersatzchassis Visaton MHT-12
Datenblatt
Die originalen Dalesford Bass-Chassis waren in einen sehr schlechten Zustand.
Original-Subwoofer
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Original-Tieftöner
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Die Parameter der Chassis wichen nicht nur deutlich von den Herstellerangaben ab, auch die baugleichen Chassis zeigten sehr stark abweichenden Daten untereinander. Ursache hierfür waren u.a. stark ausgeleierte Zentrierspinnungen sowie unterschiedlich weiche Sicken. Dies war auch deshalb bemerkenswert, weil die Chassis bereits vor einigen Jahren von einer Fachwerkstatt überholt wurden. Die unsaubere Verklebung der Sicken läßt Zweifel an der Qualität und Sinnhaftigkeit der vormaligen Restauration aufkommen.
Beide Dalesford Tieftontypen sind mit Polypropylen-Membranen der frühren Generationen ausgestattet. Das Verkleben der Sicken mit Polypropylenmembranen ist immer eine sehr schwierig Aufgabe. Ohne genaue Kenntnisse des Poly-Typs und des dazu passenden Klebers ist die Wahl des Klebers ein reines Rätselraten und das Ergebnis wie beim Glücksspiel nicht abschätzbar. Dies zeigt sich hier auch im schlechten Ergebnis des vormaligen Sickentausches. Neben diesem Problem war die Magnetkraft der Tieftöner schon auffällig unterschiedlich geringer geworden. Eine Reparatur des Chassis war m.E. daher weder sinnvoll noch wirtschaftlich.
Datenabweichungen der alten Dalesford Chassis
Eine gleiche Abstimmung in zwei Boxen ist mit diesen Chassis leider nicht mehr möglich. Hinzu kam, dass einer der 10 Zoll Dalesford Tieftöner defekt und nicht mehr reparabel war.
Als gleichwertigen Ersatz für die Dalesford Subwoofer und Tieftöner bieten sich 10 und 12 Zoll-Chassis aus der DS-Serie von Dayton an. Ausgehend von den Daten der originalen Chassis und der Auslegung des TML-Gehäuses fiel die Auswahl auf den Dayton DS-270 und den Dayton DS-315. Die Dayton Chassis können an der gleichen Weichenschaltung wie die Dalesford verwendet werden, mehr dazu siehe unten. Diese Modelle haben zwar kein Druckgusschassis wie die originalen Treiber sind aber dennoch sehr stabil und der flache Korbrand erspart das versenkte Einfräsen der Chassis. Der Austausch der Tieftöner kann daher ohne Arbeiten am Gehäuse erfolgen.
Sowohl der Dayton DS-270-8 als auch der Dayton DS-315-8 passen sowohl mechanisch als auch hinsichtlich der parametrischen Daten sehr gut in die TL-1000.
Beide Dayton-Chassis zeigen in gleichen Gehäusen praktisch das gleiche Abstimmungsverhalten wie die originalen Dalesford-Chassis.
Alternative können auch die mit Metallmembranen versehenen und minimal "härter" klingenden Dayton DS-270A-8 und Dayton DS-315A-8 verwendet werden.
Die Demontage der
der Mitteltöner brachten die nächsten Überraschungen zu Tage. Statt der originalen Philips AD4062 waren 10-Zentimeter ITT/Nokia LPT 100/19/70SG 8 Ohm Mini-Tieftöner als Mitteltöner verbaut. Diese auf Basswiedergabe in kleinen Gehäuse optimierten Chassis weisen eine fs von ca. 55 Hz und einem Qt von ca. 0.7 und einem Wirkungsgrad von nur ca. 82 dB/2.83V/m auf und waren damit als Mitteltöner der TL-1000 völlig ungeeignet. Des weiteren war der erforderliche Schallwandausschnitt des ITT Chassis ca. 8 Millimeter größer als der des originalen Philips Mitteltöners.
ITT/Nokia Tieftöner (als falscher Mitteltöner)
Der Eigner der TL-1000 hatte die originalen Philips Mitteltöner zuvor austauschen lassen, weil er den schlechten Klang auf "verschlissene" Mitteltöner meinte zurückführen zu können. Die original verbauten Philips waren zwar stark ausgeblichen und etwas weicher geworden, klangen aber nach einer Revision wieder wie neu.
Damit das ITT Chassis anstelle des Philips Mitteltöners in die Box passte, wurde zudem der Schallwandausschnitt des Mitteltöners in der TL-1000 vergrößert. Dies hatte zur Folge, dass der originale Philips Mitteltöner sich auch mit der nicht mehr luftdicht montieren ließ.
Philips AD-4062 in versauter Schallwandöffnung der TL-1000
Nun war guter Rat gefragt. Entweder die Schallwand reparieren bzw. ersetzen oder anderen passenden Mitteltöner verwenden. Da der 8-Ohm Philips Mitteltöner für eine sehr gute Abstimmung in der TL-1000 sowieso etwas zu leise ist - weiteres siehe unten zur Weichenabstimmung - und der Aufwand zur Wiederherstellung der Schallwand extrem aufwändig gewesen wäre, wurde ein anderer sehr guter und sowohl mechanisch als auch akustisch passenden Mitteltöner verwendet. Zum Einsatz kam ein
Für den Hochtonbereich ist die Arcus TL-1000 (MK1) wie alle Modelle der TL-Serie im Original mit 25 Millimeter Kalotten von Seas sowohl für Front als auch die seitliche und rückwärtige Raumbeschallung bestückt. Zum Einsatz kommen
Hochtöner mit Polyamid-Kalotte und gekürzter Frontplatte. Technisch und akustisch sind sie baugleich mit der Seas Kalotte H107 mit runder Frontplatte.
Die mir zur Revision vorliegenden Arcus TL-1000 waren jedoch schon zum Teil mit Vifa Gewebekalottenhochtöner
versehen worden. Die Vifa-Kalotten weisen werksseitig Ferrofluid im Luftspalt auf, die Seas Kalotten hingegen sind klassisch ohne Fluide. Dies zeigt sich besonders in den unterschiedlichen Impedanzfrequenzgängen im Bereich der Grundresonanz. Ohne Anpassung der Frequenzweiche sind die Seas Kalotten daher nicht direkt eins zu eins gegen die Vifa Kalotten austauschbar.
Bei der messtechnischen Überprüfung aller Chassis musste ich dann allerdings auch noch feststellen, dass das Ferrofluid der Vifa Kalotten bei allen verbauten Exemplaren schon mehr oder weniger stark verharzt war. Alle Vifa Chassis wiesen sehr unterschiedliche Grundresonanzen und Güten und damit stark abweichenden Pegelfrequenzgänge auf. Nach entfernen des Ferrofluid bzw. der Fluidreste aus den Luftspalten zeigen alle Vifa Kalotten bis auf die übliche Serienstreuung die gleichen Impedanz- und Pegelverläufe auf. Ohne Fluid gleichen die Vifa Hochtöner nun auch hinreichend den Seas Kallotten und können so an der gleichen Weiche betrieben werden.
Impedanzen des Seas H174 und des Vifa D27TG ohne Ferrofluid
Bei Verwendung der Vifa Hochtöner mit Ferrofluid ist eine etwas angepasste Weichenschaltung erforderlich, mehr siehe unter zur Weichenabstimmung
Auch bei der Überprüfung der zur Verfügung stehenden Fostex E110T08 Super-Hochton-Magnetostaten zeigten sich deutliche Abweichungen der einzelnen Exemplare. Ein Fostex musste leider gegen ein gebrauchtes aber überarbeitetes Exemplar getauscht werden. Die anderen waren nach Reinigung und Neuverspannung der Schallfolie für den Einsatz hinreichend gleichmäßig.
Nun konnten die Boxen an der originalen Weiche getestet werden. Das Gehäuse des Philips Mitteltöners wurde dazu provisorisch mit Knete abgedichtet (wirklich hässlich aber funktionsfähig). Aber auch mit guten Chassiszustände klangen die TL-1000 nach allem anderen nur nicht nach dem, was man von einen Pärchen für ca. 10.000,- DM (1979) erwarten dürfte.
Die Wiedergabe hat eine deutliche Betonung der unteren Mitten und des Präsenzbereich. Bei aktivierten Seiten- und Back-Side-Chassis klangen die Boxen zwar etwas heller und "luftiger" aber je nach gewählten Hontochpegel schon recht spitz bis sehr aggressiv. Bei reinen Frontbetrieb hingegen scheint die Wiedergabe ähnlicher Frequenzen sich vertikal weit über die Box nach unten zu verteilen. Gesangsstimmen, insbesondere tiefe Männerstimmen, scheinen aus Richtung des Boden zu kommen. Einen klaren Ort, wo die "Musi spielt", läßt sich nicht so richtig bestimmen. Die Musik kommt irgendwie wie aus einer "Kiste", der Klang löst sich nicht so recht vom Lautsprecher. Die Auflösung einzelner Instrumente und die Abbildung im Raum waren für eine Box dieser Preisklasse schlecht. Dies zeigte sich besonders im direkten Hörvergleich mit einer mit meinem Upgrade versehenen Arcus TL-180. Die TL-1000 hatten gegen die überarbeitete TL-180 keine wirkliche Chance.
Nun konnte die Prüfung und Überarbeitung der Frequenzweiche beginnen.
Bei Betrachtung des originalen Weichenschaltbildes läßt sich das klangliche Ergebnis bereits erahnen.
Schaltung der originalen Frequenzweiche der Arcus TL-1000 (PDF-Version)
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Die messtechnische Prüfung der originalen TL-1000 oberhalb 200 Hz ergabt dann mit der originalen Beschaltung das zu befürchtende Bild.
Mit zugeschalteten Seiten- und Back-Side-Chassis klingt die TL-1000 im oberen Bereich dann mit vorstehend genannten Einschränkungen etwas gefälliger. Der Klangeindruck ist aber erheblich - und das mehr als bei nur nach vorn abstrahlenden Boxen - extrem von der Akustik des Wiedergaberaums abhängig.
Frequenzgang der Arcus TL-1000 mit Original Frequenzweiche mit Seiten- und Back-Side-Chassis (Hörplatz Wandabstand 1m, Pegel skaliert auf 1m)
Die originale Frequenzweiche zeugte dann zum Teil auch von Überlastungen gezeichneten Spulen
und vielen MP-Kondensatoren mit Werte außerhalb ihrer Spezifikation.
Zudem weist die TL-1000 im Original bei Betrieb mit den Seiten- und Back-Side-Chassis ein sehr breitbandiges und gefährliches Impedanzminimum oberhalb des Mitteltonbereichs von nur 1,7 Ohm auf.
gefährlicher Impedanzverlauf der originalen TL-1000
Sehr viele Verstärker arbeiten an so niedriger Impedanz nicht mehr korrekt. Neben einem erhöhten Klirr besteht u. a. die Gefahr des Schwingen des Verstärkers, was zu Schäden am Verstärker selbst aber auch zu Schäden an den Hochton-Chassis der Box führen kann.
Der unbefriedigende Klang ist jedoch nicht nur auf die Unzulänglichkeiten der Weichenbauteile zurückzuführen.
Aufgrund der sehr flachen Filterverläufe der originalen Weiche von elektrisch nur 6 dB/Oktave verlaufen die akustischen Übergänge nicht nur stark diskonform, sondern es bedienen sogar zwischen ca. 300 bis 7.000 Hz gleich drei Chassis die Wiedergabe parallel, ein 25-Zentimeter-Tiefmitteltöner, der 10-Zentimeter-Mitteltöner und eine 25-Millimeter Kalotte. So erklärt sich auch die Mittenbetonug und die starke vertikale Verwaschung der Schallentstehung.
Die Originalbeschaltung der Arcus TL-1000 gleicht im konstruktiven Ansatz dem auch bei den anderen Modellen der TL-Serie gewählten Aufbau. Dieser Aufbau führt zwar zu einem etwas höheren Pegel und damit leicht höheren Wirkungsgrad, aber die grundsätzlichen Vorteile einer Aufteilung des Frequenzspektrums auf fünf Chassis gehen nicht nur verloren, sondern führen zu einem deutlich schlechteren Gesamtklangbild als wenn nur 3 Chassis verwendet worden wären. Nicht nur das Auflösungsvermögen der Chassis und damit das der Box wird unnötig verschenkt. Auch die räumliche Abbildung ist mit der Originalbeschaltung waschig, völlig undifferenziert und so gut wie kaum vorhanden; das Klangbild wirkt platt.
Der 10-Zentimeter-Mitteltöner hat zudem im Verhältnis sowohl zum Kalottenhochtöner als auch zum Tiefmitteltöner einen um ca. 3-4 dB geringeren Wirkungsgrad. Dieses "Loch" hat Arcus dann einfach mit dem 25-Zentimeter-Tiefmitteltöner "auffüllen lassen". Der als "zu großer Mitteltöner" betriebene 25-Zentimeter-Tieftöner drängt so jedoch in einem Bereich, für den er nicht wirklich geeignet ist, viel zu stark in den Vordergrund.
Warum jedoch der 10-Zentimeter-Mitteltöner aber auch noch bis ca. 7.000 Hz betrieben wird, ist mir hingegen nicht ansatzweise nachvollziehbar.
Aufgrund des sich durch den sehr breitbandigen Parallelbetrieb von Tiefmittel- und Mitteltöner ergebenen recht hohen Gesamtpegel mussten dann auch die Hochtonkalotte und der Hochton-Magnetostat ebenfalls zur Erzielung eines zum Mitteltonbereich entsprechenden Gesamtpegels weitesgehend parallel betrieben werden. Die Vorteile beider Chassis gehen dadurch verloren.
Abhilfe schafft nur eine komplette Neuentwicklung der Frequenzweiche.
Bevor es an die Entwicklung einer neuen Frequenzweiche ging wurde zuvor das alte Dämpfungsmaterial (einfache Polierwatte) sowohl in der Mitteltonkammer als auch in der Transmissionline ausgetauscht, da es einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Impedanzverlauf der Chassis hat und dies bei der Konstruktion der Weiche berücksichtigt werden muss. Die Watte war im Laufe der letzten 40 Jahre verklumpt und verklebt (Rauch und Nikotin haben dies besonders begünstigt). Das Dämpfungsmaterial wurde durch neues Volumenvlies (50 mm stark, Flächengewicht ca. 400g/m²) ersetzt, im Mitteltongehäuse 1 Vliese ca. 0,3x0,2 m gerollt und in der Transmissionline 3 Vliese ca. 0,35x0,65 m und 2 ca. Vliese 0,3x0,3m.
Für die Neugestaltung der Frequenzweiche musste zunächst das Frequenzband sinnvoll auf die 5 Chassis der TL-1000 aufgeteilt werden.
Da die original Dalesford Subwoofer- und Tieftöner-Chassis in einem sehr schlechten Zustand waren, wurde die Neuentwicklung der Frequenzweiche mit den oben dokumentierten Dayton DS-270 und DS-315 vorgenommen. Da aber die Dayton parametrisch faktisch den Dalesford Chassis gleichen (siehe oben), funktioniert die neue Weiche auch mit (einwandfreien) originalen Dalesford Chassis.
Die aller meisten Lautsprecher-Chassis strahlen den Schall i.d.R. nur bis zu einer bestimmten Frequenz unter allen Winkeln eines Halbraums mit der gleichen Intensität ab. Wird die Wellenlänge des abgestrahlten Schalls jedoch kleiner als der Membranumfang eines Chassis zeigen fast alle dynamischen Lautsprecher eine stetig steigende Bündelung hin zur Achse. D.h. der Pegel auf Achse steigt kontinuierlich bis zur oberen Grenzfrequenz des Chassis an, gleichzeitig sinkt der unter Winkel abgestrahlte Schall mehr oder weniger entsprechend ab. Ab einer bestimmten Frequenz - deren Wellenlänge im Verhältnis zum Membranumfang sehr kurz ist - strahlen nahezu alle Chassis den Schall nur noch schmal wie eine Taschenlampe den engen Lichtkegel ab. Je breiter der betrachtete Abstrahlwinkel ist, desto geringer wird der seitliche Pegel in Verhältnis zur Achse. Wie und bei welcher Frequenz die Bündelung einsetzt und wie stark sie ausgeprägt ist, hängt neben der Membranfläche u.a. sehr stark vom Chassisaufbau und seiner Membranform ab. Grundsätzlich gilt: Je größer die Membranfläche eines Chassis ist desto tiefer beginnt die Bündelung. Daraus ergeben sich zahlreiche Probleme.
Bei Mehrwege-Lautsprechern kommt es sehr häufig beim Übergang von einen zum anderen Chassis zu einem Bruch der Abstrahlcharakteristik. Hat z.B. der Tieftöner bereits seine Bündelungsfrequenz erreicht, wird durch ihn der Raum nur noch eingeschränkt unter Winkel mit Schall befüttert. Außerhalb der Achsen der Lautsprecher ist der Schall bereits deutlich leiser zu vernehmen. Übernimmt nun ein Mittel- oder Hochtöner die Beschallung, so zeigt dieser i.d.R. aufgrund seiner anderen Geometrie auch ein anderes Abstrahlverhalten. Da Mitteltöner und erst recht Hochtöner unabhängig von ihrer Bauform, egal ob nun Konusmembran- oder Kalottenbauform, deutlich kleinere Membranflächen aufweisen, beginnt bei ihnen die Bündelung auch bei deutlich höheren Frequenzen als bei Tieftönern. 25-Zentimeter-Tieftöner wie die hiesigen Dalesford und Dayton Chassis beginnen ab ca. 400-700 Hz die Schallabstrahlung zu bündeln und oberhalb von ca. 1 kHz wird unter seitlichen Winkeln von 45° und mehr nur noch sehr wenig und zudem recht ungleichmäßig Schall abgestrahlt. Ein 10-Zentimeter Mitteltöner wie der hiesige Philip AD4062 hingegen beginnt erst ab ca. 2,2 kHz und die 25 Millimeter Kalotte erst oberhalb von ca. 6 kHz zu bündeln. Werden nun über eine Frequenzweiche den einzelnen Lautsprecherchassis ihre Frequenzbereiche zugewiesen, ist das Abstrahlverhalten der Box vom Abstrahlverhalten des jeweils aktiven Chassis abhängig. Bündelt bereits der Tieftöner aber strahlt der Mitteltöner bzw. Hochtöner in diesem Bereich noch weit ab, so kommt es im Übernahmebereich zwischen Tief- und Mitteltöner bzw. Hochtöner zu einem Bruch im Abstrahlverhalten. Bei Mehrwege-Boxen kann dieses Phänomen bei jedem Übergang von einen zum anderen Chassis auftreten. Dies kann dazu führen, das die Abstrahlcharakteristik einer Box sehr stark von der Frequenz abhängig ist und über sie stark schwanken kann. Als besonders ungünstig zeigt sich das sogenannte "Tannenbaum"- Abstrahlverhalten beim dem nach einschnürender Abstrahlbreite diese sich bei höheren Frequenzen wieder stark ausweitet. Dies führt nun trotz oder gerade bei linearem Pegelfrequenzgang auf Achse dazu, dass die Gesamtschallleistung die in den Hörraum abgestrahlt wird sehr frequenzabhängig unterschiedlich ist. Der Leistungsfrequenzgang ist dann alles andere als ausgeglichen. Ein leicht ansteigender oder abfallender Leistungsfrequenzgang ist meist nicht so sehr tragisch. Wenn jedoch nach fallenden oder linearen Leistungsfrequenzgang plötzlich ein starker Schallleistungsanstieg im Raum auftritt bewirkt dies oft ein anstrengendes bis nerviges Klangbild.
Für die Neugestaltung der Weiche für die Arcus TL-1000 waren aufgrund der Eigenschaften und Auslegungen der vorhandenen Chassis akustische Linkwitz-Filter 4. Ordnung mit Trennfrequenzen von ca. 300-500Hz, 2,0-2,5 kHz und 5-7 kHz anzustreben. Bei dieser Aufteilung des Frequenzbandes auf die Chassis der TL-1000 ist das Ziel keines Chassis weit über dessen Bündlungsfrequenz hinaus zu betreiben im vernünftigen Rahmen sicher gestellt.
Das Subwoofer- und das Tieftonchassis bestimmen den Nominalpegel der Box. Da diese beiden Chassis im Parallelbetrieb im TL-1000 Gehäuse einen Gesamtpegel von über 97dB/2,83V/m liefern würden und damit deutlich über den Wirkungsgraden des Mittel- und Superhochtöners liegen, wurde hier ein sogenannter 1-1/2 Wege-Basszweig gewählt. Der Dayton DS-315 - bzw. der Dalesford D-300 - Subwoofer wurde mit einem sehr tief aber anfangs flach verlaufenden Tiefpassfilter beschaltet. Allerdings fiel mit dieser Beschaltung bei ca. 80-120 Hz eine sehr deutliche Pegelanhebung ins Auge.
Pegel des Subwoofer mit 120Hz Tiefpass in der TL-1000 mit und ohne Impedanzentzerrung
Ursache hierfür ist eine Koppelung "zwischen der bewegten Masse des Chassis mit der Drosselspule des Tiefpasses". Die Impedanz des Subwoofer zeigt im unteren Frequenzbereich zwei deutliche Resonanzen, eine "unschädliche" bei unter ca. 12Hz und eine bei ca. 58 Hz. Das Impedanzminimum zwischen den beiden Resonanzen zeigt die TL-Resonanz der Box bei ca. 28 Hz an.
Impedanz des unbeschalteten Subwoofers in der TL-1000
Diese Resonanzen sind das elektrische Abbild der schwingenden Masse des Subwoofer die von der gegenphasigen Resonanz hier der TML überlagert wird und so zu der häufig zu sehenden "Kamelhöcker-Impedanz" führt. Oberhalb dieser oberen Resonanzfrequenz (ab 58 Hz) zeigt der Impedanzverlauf ein sog. kapazitives Verhalten, d.h. zu höheren Frequenz nimmt der Scheinwiderstand wie bei einem Kondensator ab. Diese Kapazität und die hierzu in Reihe liegenden Drosselspule der Weiche bilden nun einen Schwingkreis mit hoher Güte und einer Mittenfrequenz im oberen Bassbereich. Je nach dem welche Werte die "Bauteile" dieses Schwingkreises annehmen, können sich zum Teil sogar erhebliche Pegelveränderungen im Übertragungsbereich des Tiefpasses ergeben. Durch eine Entzerrung der Impedanz lässt sich dieses Problem in den Griff bekommen. Ein Saugkreis (eine Reihenschaltung aus einem Widerstand, einer Spule und einem Kondensator) parallel zum Subwoofer kann die Impedanzüberhöhung ausgleichen. Dazu ist jedoch für jede Resonanz ein eigener speziell abgestimmter Saugkreis erforderlich. Die Glättung der oberen Bassresonanz sorgt für eine hinreichend lineare Lastimpedanz, eine Glättung der unteren Impedanzspitze bei ca. 12 Hz ist hier nicht erfordrlich da sie weit genug von der Filterfrequenz des Tiefpasses entfernt ist.
Durch die Einstellbarkeit der Dämpfung des Saugkreises in der WBS-Upgrade-Weiche kann der Basspegel etwas angepasst werden.
Der 10 Zoll Tieftöner erhielt einen akustischen Linkwitz-Tiefpass 4. Ordnung mit einer Trennfrequenz von ca. 420 Hz. Der Subwoofer gleicht im wesentlichen lediglich den durch den Baffle-Step des TL-1000 Gehäuses bedingten Pegelabfall des Tieftöners zu tiefen Frequenzen hin aus. Ein Ausgleich des Baffle-Step durch Überdimensionierung des Tiefpassfilters des Tieftöners ist daher nicht erforderlich. Aufgrund des großen Abstands des Tiefpassfilters des Tiefmitteltöner zur TL-Resonanz ist auch eine Entzerrung der Grundresonanz der Tieftönerimpedanz nicht erforderlich.
Der Mitteltöner (Philips AD4062) wurde zuerst mit einem elektrischen Bandpass 3. Ordnung aus integrierten Tief- und Hochpass beschaltet. Mit dem chassiseigenen Frequenzgangs ergab sich damit der erforderliche akustischer Bandbandpass 4. Ordnung. Allerdings ist das Philips Mitteltonchassis leider nicht das Lauteste und liegt unbeschaltet ca. 2-3 dB unter dem Pegel der Tieftoneinheit und des Kalottenhochtöners. Das Klangbild wirkt für mich zu zurückhalten. Nach ausführlichen Hörtests und zahlreichen Messungen wurde die Weichenschaltung modifiziert. Durch Änderung der Reihenfolge der Bauteile des Tief- und Hochpasses im Mitteltonzweig und einer leichten Anpassung der Bauteilwerte konnte eine signifikante Pegelanhebung des Mitteltonbereiches erreicht werden. Durch die Reihenschalten von Hoch- und Tiefpass im Mitteltonzweig kommt es zu einer leichten Resonanz zwischen dem Hoch- und Tiefpassfilter die zur Folge hat, dass der Pegel zwischen ca. 450 kHz und ca. 2,8 kHz über dem eigentlichen Pegel des unbeschalteten Mitteltöners liegt. Bei der sonst von mir favorisierten Integration der Einzelfilter werden diese Koppelungen von Hoch- und Tiefpass weitestgehend vermieden. Im hiesigen Fall kann diese resonanzbedingte Pegelanhebung aber dazu genutzt werden, den Gesamtpegel des Mitteltöners im Einsatzbereich noch etwas zu erhöhen. Erkauft wird dieser Pegelgewinn jedoch mit einer deutlichen Impedanzsenke in diesem Bereich, aber irgendwo muss die "Leistung" ja herkommen. Mit einem Minimum von ca. 3,5 Ohm liegt die Impedanz aber noch immer im völlig unkritischen und vertretbaren Bereich. Diese Schaltungsmaßnahme ließ die leichte Mitteltonschwäche der Box letztendlich völlig verschwinden.
Die im Messschrieb zu erkennende recht ausgeprägte Welligkeit des Frequenzganges zwischen 1,1 bis 1,6 kHz wird durch Reflexionen am Aufbau der Schallwandkanten der Arcus TL-1000 verursacht und lässt sich ohne komplette Neugestaltung der Schallwandgeometrie leider nicht ändern.
Bei Verwendung des Monacor MSH-116-4 Mitteltöner konnte die Beschaltung des Bandpasses wieder mit der günstigeren Integration von Hoch- und Tiefpass erfolgen, da aufgrund des erheblich höheren Wirkungsgrades des MSH-116 nicht um jedes dB-Mitteltonpegel gekämpft werden muss. Neben des höheren Wirkungsgrads ist mit dem MSH-116-4 der mit der Box erzielbare Maximalpegel ca. 4-5 dB höher. Des weiteren klingt die TL-1000 im Mitteltonbereich mit dem MSH-116-4 noch ein klein wenig klaren, offener und differenzierter als mit dem Philips.
Die Kalottenhochtöner ließen aufgrund der Geometrie und Daten keine Ankopplung unter 2 kHz zu. Der Mitteltöner bündelt in diesem Bereich zwar schon etwas, was m.E. jedoch weniger stark wiegt als ein erhebliches Klirren des Hochtöners in Kauf zu nehmen. Um auf der anderen Seite die Qualitäten des Fostex E110T08 als Superhochtöner nicht zu verschenkten, war ein Parallelbetrieb der beiden Chassis - wie in der originalen TL-1000 - zu vermeiden. Folglich musste auch der Kalottenhochtöner mit einem Bandpassfilter beschaltet werden. Da der Fostex E110T08 eine Ankopplung ab ca. 4 kHz zu lässt war eine Übernahme bei ca. 6 kHz sinnvoll, da beide Chassis in diesem Bereich ein sehr ähnliches Abstrahlverhalten zeigen und so der gefürchtete Bruch im Rundstrahlverhalten im Hochtonbereich vermeiden werden kann. Aufgrund der sehr geringen Bandbreite des Bandpasses für den Kalottenhochtöner lag der Pegel der Kalotte sowohl deutlich über dem Pegel des Mitteltöners als auch über dem des Fostex Hochtöner und musste entsprechend abgesenkt werden.
Die Beschaltung des Superhochtöner konnten sehr einfach gehalten werden. Der elektrische Hochpass 2. Ordnung komplettiert sich mit dem Hochpassverhalten des Magnetostaten perfekt zum Hochpass 4. Ordnung. Aufgrund der Einbaulage der SEO von Hoch- und Superhochtöner muss der Superhochtöner verpolt angeschlossen werden um so eine korrekt korrespondieren Phaselage und linearen Gesamtfrequenzgang zu erhalten.
Nach diversen Messungen und Hörproben mit verschiedenen Versionen der neuen Weiche ergaben sich letztendlich nachfolgende neue Weichenschaltungen.
Mehr zu grundsätzlichen Anforderungen und zur Vorgehensweise bei einer Weichenentwicklung sind hier zu erfahren.
Neue Weiche Bass- Mittelhochtonzweig sowie Filter für Seiten- und Rückseiten-Chassis auf getrennten Trägern
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Neue Weiche Bass- und Mittelhochtonzweig eingebaut im Gehäuse
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Neue Weiche Bass- Mittel- und Hochtonzweig eingebaut im Gehäuse
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Neue Weiche Filter für Seiten- und Rückseite eingebaut im Gehäuse
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Klangliches Ergebnis der Arcus TL-1000(MK1) mit neu entwickelter Weiche:
Mit der neuen Weichenschaltung legt die TL-1000 die Schwächen und Fehler der Originalversion ab und spielt nun mindestens zwei Klassen besser.
Die Box löst nunmehr die Einzelinstrumente und das musikalische Gesamtgeschehen deutlich besser auf. Eine echte Bühne ist nun auch vorhanden und deutlich gestaffelt. Das "breiige" Mitteltongeplärre der Originalversion ist vollständig verschunden. Die Tieftonwiedergabe ist präziser und geht nochmals tiefer hinab. Durch die Neugestaltung der Weiche ist die neue Version der TL-1000 (MK1) als 4-Ohm Box zu klassifizieren.
Kosten und Preise (Stand August 2026)
Die Materialkosten für die modifizierte Weiche für die Arcus TL-1000 (MK1) beginnen bei ca. 380,- EUR/Box.
Die vollständigen Schaltpläne der WBS-Weichen für die Arcus TL-1000 (MK1)
können hier geordert werden.
Ein Meinungsaustausch zum hiesigen Restaurations- und Neuabstimmungsprojekt ist im Hifi-Forum.de zu finden.
Fertige Weichen und/oder komplette Restaurationen - auch für andere Modelle - auf Anfrage.
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